Ich lebe noch. Und es tut mir Leid, dass ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Es tut mir Leid, dass ich meine Eltern beim Skypen versetzt habe. Es tut mir Leid, dass ich meinen besten Freund beim Skypen versetzt habe. Es kommt mir vor, als enttäusche ich euch nur noch und das tut mir Leid. Aber ich kann es nicht ändern.
Ich habe meine erste Schulwoche hinter mir und manche von euch haben mich ziemlich gut erlebt bei diesen vielen Höhen und Tiefen dieser Woche. Es war wie ein ganzes Leben in einer Woche. Am Dienstag fing die Schule an. Geschlafen habe ich zwar gut aber ich war trotzdem aufgeregter als am Tag meines Abfluges. Ich hab mir so viele Gedanken gemacht. Und dann ging's 7.30Uhr ab zur Schule. ZUM GLÜCK hat meine Gastmutter angeboten mich am 1. Tag zur Schule zu bringen. Sie hat dann noch was im Büro abgeklärt weil sie zu meinen Volleyball Spielen kommen wollen und dafür einen Pass gekauft haben, damit sie nicht jedes Spiel einzeln bezahlen müssen. Aber dann ist sie wieder los. Und ich stand vor meinem Schließfach. Allein. Ich kannte vielleicht 1 oder 2 Leute gerade mal vom Sehen. Und der Flur füllte sich langsam. Also hab ich mir einfach meine Sachen für meine 1. Stunde geschnappt aus meinem Schließfach und hab mich auf die Suche nach meinem Raum gemacht.
Das sind meine Stunden, sie sind jeden Tag gleich:
1. Healthy Living/Food - 8.20uhr bis knapp 10.00uhr
2. Algebra II - 10.00uhr bis 11.30uhr
mittagessen von 11.30uhr bis 12.00uhr
3. Spanish I - 12.00uhr bis 13.30uhr
4. US History - 13.30uhr bis 15.00uhr
volleyball 15.15uhr bis 18.00uhr
aber in meinem raum war noch niemand und ich hab mich dann mit den lehrern die davor rumstanden unterhalten. das ist hier ganz anders als in deutschland. die lehrer sind mega locker und die schüler rufen die bei irgendwelchen spitznamen und die finden das ok. wenn der lehrer beispielsweise schmidt heißt rufen die den schmidti :-) ich werde auf meinem ganzen blog keine namen nennen, weil ich meinen namen auch nicht in einem blog in einer anderen sprache lesen will, finde ich zumindest. jedenfalls bin ich dann zurück zu meinem schließfach weil die meinen das ist üblich dass man da seine zeit vor den stunden verbringt. ein mädchen, ist ne ganz liebe, fühlt sich ein bisschen verantwortlich für mich und ich hab die 1. und 4. stunde mit ihr. wir sind dann also zusammen hin und sitzen jetzt auch zusammen. die stunde fängt also an und dann gelobt man erstmal seinen glauben an die usa oder so ähnlich also man steht dann zur flagge gerichtet (hängt hier wirklich ÜBERALL) und dann kommen erstmal Meldungen aus dem Lautsprechern vom Büro. Dann gehts erst richtig los. Herr T geht also die Anwesenheit durch und wir sprechen darüber was wir alles machen diese Jahr. Die Stunde ist ganz entspannt, wir machen ein paar "Spiele" um uns gegenseitig kennenzulernen. In der Stunde sind fast nur andere 11.Klässler, also nur Leute in meinem Alter. Im Gegensatz zu meiner 2. Stunde also Algebra, die ich dann nur mit Leuten habe, die jünger sind. Und das war schon wesentlich unentspannter, weil ich - ich mach da gar kein großes Geheimnis draus - nicht die hellste Birne im Leuchter bin wenn's um Mathe geht. So isses nunmal. Und dann das ganze noch in einer anderen Sprache. Du hörst Wörter, die du noch nie gehört, noch nie im Englischunterricht zuhause behandelt hast. Anstrengend ist das passende Wort. Aber auch das hab ich dann überlebt. Und jede Mathestunde läuft ähnlich ab: Der Lehrer behandelt im Expressmodus ein Thema, also erklärt das ganz minimal knapp 10 Minuten und dann setzt man sich in Gruppen zusammen und erledigt Aufgaben aus einem 800-Seiten Mathebuch. Nebenbei macht der Lehrer noch Musik an. Und dann darf man nicht vergessen, dass man wenn man Fragen hat ihn gerne mit Spitznamen ansprechen kann. Manchmal wusste ich echt nicht was ich dazu sagen soll... Wie auch immer, dann bin ich zur Cafeteria und hab gegessen. Das Essen ist eigentlich ganz ok. Eigentlich kann ich auch raus aus der Schule um zuhause oder woanders zu essen, aber ich kenne ja noch niemand mit dem ich das machen könnte. Vielleicht ergibt sich ja bald was. Danach bin ich zu Spanish. Setz mich also auf meinem Platz. Und der Raum füllt sich mit 10 Jungs, die alle ungefähr 1 Jahr jünger sind als ich. Und ich warte auf die anderen. Die Lehrerin kommt. Und niemand sonst. Das kam mir dann - Achtung ganz flacher Wortwitz - Spanisch vor. Aber so ist es jetzt also: ich bin als einziges Mädchen in meinem Spanisch-Kurs. Und es ist so mega witzig! Ohne Scheiß, die sind zwar echt kindisch aber genau das brauch ich oft wenn ich an manchen Tagen noch nicht einmal gelacht habe und davor Algebra hatte. Ich liebe es. Wir hören oft spanische Musik und spielen Spiele. Es ist alles viel entspannter. Am Montag bekomm ich meine erste Note in Spanisch: Ich muss frühs vor der Schule meine Lehrerin anrufen und ihr dann das spanische Alphabet auf die Mailbox quatschen. Das ist mein voller Ernst. Bin gespannt wie das läuft... Und nach Spanisch kommt dann US History. Die Lehrerin ist mega mega nett und voll interessiert in andere Kulturen. In dieser Klasse bin ich zusammen mit den anderen Austauschschülern: 1 Junge aus Österreich, 1 Junge aus Holland, 1 Mädchen aus Brasilien und 1 Mädchen aus Montenegro. Da frage ich mich wie das sein kann, dass eine Schule mit 200 Leuten 5 Austauschschüler in einem Jahr aufnimmt und ich an unserer Schule in Deutschland mit 600 oder 800 Leuten noch nie einen gesehen habe. Komisch... Sonst sind in der Geschichtsklasse nur Leute aus der 11 also in meinem Alter. Manche kenne ich bereits von meiner 1. Klasse. Wir sind dann den Stoff fürs Semester durchgegangen und ich musste dann aber früher los weil ich einen Termin beim Arzt hatte. Ich musste eine Bescheinigung besorgen damit ich Sport machen kann. Das ganze hat auch noch Geld gekostet.... Danach bin ich zum Volleyball bis um 6. Danach heim und Abendessen. Danach Duschen. Und danach saß ich noch gut eine Stunde an Mathe, hatte zwar keine Hausaufgaben aber musste vieles nochmal neu schreiben weil ich die Schrift meines Lehrers nicht lesen konnte. Große Hilfe: Jeder Lehrer stellt seine Materialien online auf die Website der Schule und so kann man immer darauf zu greifen. Heißt: ich kann mir den Stoff den wir behandelt haben als Video anschauen, der Lehrer erklärt das dabei. Sehr praktisch! Mein Gastvater ist richtig gut in Mathe und hilft mir immer. Bin dann total kaputt ins Bett. Das war der Dienstag. Rückblickend denke ich, dass es ok war. Es hätte schlechter laufen können. Ich denke nur, dass ich unrealistisch an diese Sache herangegangen bin. Ich habe immer gesagt, ich bin realistisch und mir über alles im Klaren aber ich hab's mir einfach vorgestellt. Und ich hab mehr sehr, sehr allein gefühlt. Trotzdem hab ich mich nicht gefragt, warum ich das hier überhaupt mache. Ich weiß, dass es das Richtige ist.